27.11.2015

„Ein Redaktionssystem wird zum Newsroom“

MPM-Geschäftsführer Frank Bockius im Gespräch mit Stefan Raake vom AMC-Magazin

„Ein Redaktionssystem wird zum Newsroom“
Frank Bockius, Geschäftsführer von MPM

Frank Bockius, Geschäftsführer von MPM

Herr Bockius, als Beratungshaus versteht sich Ihre Agentur nicht nur als Experte für Kommunikationsdienstleistungen, sondern auch für Publishing-Technologien. Warum spielen diese Technologien auch für die Betrachtung von Publishing-Trends eine wichtige Rolle?

FBDamit Kommunikation erfolgreich ist, müssen nicht nur Konzept und Inhalte stimmen. Mindestens ebenso wichtig ist die Auseinandersetzung mit den zur Verfügung stehenden Technologien. Oder anders gesagt: Ohne IT geht nichts! Um den neuen Anforderungen an Marketing und Kommunikation gerecht zu werden, muss eine größere Menge von Medien in kürzerer Zeit für eine steigende Anzahl unterschiedlicher Zielgruppen aufbereitet und in immer mehr Medienkanälen publiziert werden. Dazu braucht es neue, IT-gestützte Prozesse. Allen voran ein Redaktionssystem.

Fast alle Versicherer arbeiten mit Redaktionssystemen, meist bei der Websitepflege, aber auch in anderen Bereichen. Welche Aufgaben übernimmt ein solches erweitertes Redaktionssystem für Marketing- und Kommunikationsprozesse?

FBEin Redaktionssystem wird zur Content-Zentrale für alle Kommunikations- und Marketingaktivitäten – vom Geschäftsbericht über Kunden- wie Mitarbeitermagazine bis hin zur Produktbroschüre. Die Bedeutung von hochwertigem Content wird weiter steigen, davon sind Experten und Kommunikationsentscheider gleichermaßen überzeugt. Jedes Unternehmen sollte daher über ein innovatives Redaktionssystem als Newsroom verfügen, um diesen Content optimal zu strukturieren, zu automatisieren und so effizient wie möglich auf allen Kanälen zu verwerten.

 

Über ein Multichannel- Redaktionssystem können Inhalte über alle Kanäle hinweg erlebbar gemacht werden

Über ein Multichannel- Redaktionssystem können Inhalte über alle Kanäle hinweg erlebbar gemacht werden

Ohne Cross-Media geht künftig also nichts mehr?

FBJa. Der richtige Cross-Media-Mix und die möglichst perfekte Abstimmung von Inhalten und Kanälen werden zu den wichtigsten Herausforderungen im Publishing. Unsere Zielgruppen sind heute in allen Medien gleichzeitig unterwegs und das erwarten sie auch von Kommunikationsangeboten. Medienbrüche müssen vermieden werden. Ein Multichannel-Redaktionssystem macht es möglich und einfach, Inhalte über alle Kanäle hinweg erlebbar zu machen, indem es relevanten Content zentral bereitstellt und zielgenau ausspielt.

Welche technischen Anforderungen sollte ein solches Multichannel-Redaktionssystem erfüllen?

FBEin Multichannel-Redaktionssystem wie beispielsweise unser Online Publisher publiziert für Print, Web und Tablet aus einer Datenquelle. Eine integrierte XML-Schnittstelle ermöglicht den schnellen Datenaustausch, also die gewünschten Inhalte auf die anderen Medienkanäle zu übertragen und so mehrfach zu nutzen. Dazu werden die Daten zuvor im System medienneutral aufbereitet. Inhalte lassen sich so nicht nur vielfältig nutzen, sondern später auch immer wieder einfach synchronisieren. Auch Responsive Design wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.

Welche Medienkanäle geben Ihrer Einschätzung nach in Zukunft den Ton an?

FBUnternehmens- und Marketingkommunikation wird zunehmend digitaler und mobiler. Smartphone und Tablet spielen eine immer wichtigere Rolle in unserem Medienalltag. Es ist davon auszugehen, dass sich auch die Kommunikationsbudgets in naher Zukunft noch stärker in Richtung mobiler Websites und Apps verschieben werden. Ein Redaktionssystem muss dem Trend hin zur mobilen Kommunikation unbedingt gerecht werden. Und auch Bewegtbild wird künftig wohl einen noch größeren Stellenwert einnehmen – und zwar zulasten von klassischen Leseinhalten.

Gut gemachte Druckmedien können in der crossmedialen Medien-Klaviatur durch ihre Hochwertigkeit überzeugen.

Gut gemachte Druckmedien können in der crossmedialen Medien-Klaviatur durch ihre Hochwertigkeit überzeugen.

Die AXA verzichtet in Ihrer aktuellen Kfz-Kampagne „Mobilität“ größtenteils auf gedruckte Werbung. Stirbt Print womöglich aus?

FBNein. Printmedien werden weiterhin einen hohen Stellenwert im Publishing haben. Vielmehr werden gut gemachte Druckmedien in der crossmedialen Medien-Klaviatur zum „Luxusgut“, das gerade durch seine Hochwertigkeit überzeugen kann. Print-Inhalte und digitaler Content müssen sich vor allem optimal ergänzen und ihre medienspezifischen Stärken ausspielen. So viel zum Thema Reichweite. Doch auch Geschwindigkeit wird zum zentralen Erfolgsfaktor heutiger Kommunikation.

Was hat die zunehmende Kommunikationsgeschwindigkeit mit dem Redaktionssystem zu tun?

FBWer nicht schnell genug kommuniziert, wird nicht gehört. So ist auch die Versicherungsbranche auf die rasche und sichere Vermittlung ihrer Botschaften in allen Medienkanälen angewiesen. Diese Explosion an Kommunikationsangeboten und -kanälen in immer kürzerer Zeit wird für Unternehmen leicht zur Kostenfrage. Ein Redaktionssystem ist hier auch die technische Lösung zur Effizienzsteigerung. Indem es die Publishing-Prozesse optimiert und so Zeit für Konzeption und Kreation schafft.

Beschränken sich die Möglichkeiten dieser Effizienzsteigerung auf die Medienproduktion?

FBKeineswegs. Die zunehmend geforderte Vernetzung bezieht sich nicht nur auf die Inhalte, sondern auch auf die Systemlösungen selbst. Unternehmens- und Marketingkommunikation ist schließlich weit mehr als Medienproduktion. Bestenfalls sollte ein Redaktionssystem Schnittstellen zu anderen Technologien ermöglichen, etwa zu einem Web-to-Print-System oder einer Mediendatenbank. Auch an die Anbindung von Kundendatenbanken für eine möglichst personalisierbare Zielgruppenansprache ist zu denken. Ein solches Gesamtsystem wird dann zur zentralen Plattform für effizientes Publishing- und Marketing-Resource-Management und erzielt eine neue Dimension von Synergieeffekten.