06.04.2016

Neue CSR-Berichtspflicht: Bewertung und Handlungsempfehlungen

Drei zentrale Schlussfolgerungen für den Umgang mit der erweiterten Berichterstattung

Neue CSR-Berichtspflicht: Bewertung und Handlungsempfehlungen

Der Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) hat die Koordinaten für die Überführung der EU-Richtlinie zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung in deutsches Recht gesetzt. Nach der Zusammenfassung aller Detailinformationen des Entwurfs ist es uns ein Anliegen, unseren Kunden eine Empfehlung für den Umgang mit der erweiterten Berichterstattung auszusprechen. In unserer Bewertung sind wir zu drei zentralen Ergebnissen gelangt.

 

1. Nahezu 1:1-Umsetzung der EU-Richtlinie

Da sich der Gesetzesentwurf an den Vorgaben der EU-Richtlinie orientiert und diese in fast allen Belangen 1:1 umsetzt, sind deutsche Unternehmen von Überraschungen verschont worden. Andere EU-Länder wie etwa Dänemark oder Schweden gehen in ihrer nationalen Umsetzung deutlich weiter, etwa was den Kreis der betroffenen Unternehmen oder die inhaltliche Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung betrifft.

 

2. Kleinere Unternehmen mittelbar betroffen 

In Deutschland sind kleinere Unternehmen von der CSR-Berichtspflicht erst einmal ausgenommen. Der Referentenentwurf begründet dies mit dem Ziel, den Mittelstand nicht zu sehr mit neuen administrativen Aufwänden zu belasten. Wir empfehlen jedoch auch Unternehmen, die nicht unmittelbar von dem neuen Gesetz betroffen sind, sich dennoch mit der Thematik zu befassen. Insbesondere auf Lieferanten oder Auftragnehmer großer Konzerne werden die gestiegenen Transparenzanforderungen früher oder später ausstrahlen. Denn die im Fokus der CSR-Berichtspflicht stehenden Unternehmen sind in der nichtfinanziellen Erklärung verpflichtet, die Wahrung der Sorgfaltspflicht (Due-Diligence-Prozess) auch in Bezug auf Lieferkette und Unterauftragnehmer zu beschreiben, und werden die dafür erforderlichen Informationen bei ihren Zulieferern erfragen. 

 

3. Analyse und Maßnahmenplan entwickeln

Um die Vorgaben für das Geschäftsjahr 2017 ordentlich und fristgerecht zu erfüllen, sollten Unternehmen bereits jetzt mit den ersten Umsetzungsschritten beginnen. Insbesondere für Unternehmen, die sich bislang noch nicht oder nur unzureichend mit CSR-Themen befasst haben, könnte es anderenfalls zeitlich sehr eng werden. Als langjähriger strategischer Partner in Sachen Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht wissen wir: Die Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie ist ein umfangreiches und ressourcenbindendes Projekt für Unternehmen.
Wir empfehlen, in einer Analyse die bisherige Berichterstattung mit den neuen Vorgaben abzugleichen, um so bestehende Lücken zu erkennen und den Arbeitsaufwand realistisch abzuschätzen: eine solide Basis, um anschließend einen Maßnahmenplan inklusive Zeitschiene zu erarbeiten. Für die Umsetzung der neuen Berichtspflicht können verschiedene Rahmenwerke zur Orientierung dienen, wie etwa die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI), der ISO-Norm 26000 oder des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK).