24.03.2017

„Die Nachfrage nach mobilen Angeboten steigt“

Die aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt: Jeder Dritte surft privat am liebsten mit dem Smartphone. Was bedeutet der mobile Hype für die Mitarbeiterkommunikation?

Philipp Mann, geschäftsführen-der Gesellschafter von MPM Corporate Communication Solutions.

Immer weniger Internetnutzer sitzen noch vor großen Bildschirmen. Der Trend geht zum mobilen Surfen per Smartphone. Die aktuell veröffentlichte Nutzerstudie des Branchenverbands Bitkom belegt dies eindeutig: Jeder dritte Internetnutzer geht inzwischen privat bevorzugt per Smartphone online. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Smartphone damit deutlich an Beliebtheit zugelegt, während der Anteil der Nutzer, die hauptsächlich mit dem Laptop oder dem Desktop-Computer online gehen, gesunken ist. Bei vielen Online-Anwendungen ist das Smartphone bereits heute die erste Wahl. Für knapp zwei Drittel der Internetnutzer ist es das bevorzugte Gerät, um Nachrichten zu lesen. Auch in den sozialen Netzwerken bewegen sich die Menschen vor allem mobil.

Das Internet wird also immer mobiler. Welche Folgen hat dies für die Interne Kommunikation? Vier Fragen an Geschäftsführer Philipp Mann.

 

Hat die IK den Trend zur mobilen Internetnutzung bereits erkannt?

PM Tatsächlich ist bei unseren Kunden aus der Mitarbeiterkommunikation die Nachfrage nach mobilen Lösungen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Neben digitalen Magazinen entwickeln wir dabei mittlerweile immer mehr integrierte Mitarbeiter-Apps, die Magazininhalte mit weiteren Content-Feeds, etwa aus dem Intranet, zusammenführen. In der Regel sind diese wiederum Teil eines crossmedialen Gesamtangebots der Internen Kommunikation, die aber grundsätzlich immer digitaler wird.

Gerade mobile Endgeräte sind optimal, um bisherige Kommunikationslücken der Internen Kommunikation zu schließen. Dank ihrer flächendeckenden Verbreitung können nun auch Mitarbeiter informiert werden, die ohne digitalen Arbeitsplatz bisher schwer erreichbar waren, etwa Produktionsmitarbeiter, mobiles Pflegepersonal oder Mitarbeiter im Verkauf und Einzelhandel. 

 

Hand aufs Herz: Sind Mitarbeiter wirklich bereit, interne Medien auf ihren privaten Smartphones zu lesen?

PM Ob und wie intensiv diese mobilen Angebote genutzt werden, entscheidet natürlich noch immer der Einzelne selbst. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich gerade Mitarbeiter ohne PC-Arbeitsplatz, die sich bisher kommunikativ ausgeschlossen und vernachlässigt gefühlt haben, über ein solches Angebot freuen.

Gleichzeitig gilt für Mitarbeiter-Apps natürlich der gleiche Anspruch wie an die „klassischen Kanäle“: Die Inhalte müssen überzeugen, zusätzlich muss die Usability natürlich stimmen. Bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern Geräte oder Tarife an oder stellen WLAN-Bereiche für die App-Nutzung zur Verfügung, unterstützt das die Akzeptanz einer Mitarbeiter-App sicher. Dennoch braucht es in den meisten Unternehmen etwas Zeit, bis sich der neue mobile Kanal etabliert hat. 

Ist die traditionelle Mitarbeiterzeitung mit dem Trend „Mobile first“ nun bald endgültig gestorben?

PM Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Für die meisten Unternehmen bietet sich aus unserer Sicht aber auch in Zukunft ein Kanalmix an. Print- wie Online-Medien haben spezifische Vorteile. Wo digitale Kommunikation durch Geschwindigkeit, Interaktivität und Multimedialität punkten kann, hat das gedruckte Mitarbeitermagazin auf dem Schreibtisch eine hohe Push-Wirkung und bietet als „Lean-back-Medium“ ein aufmerksamkeitsstarkes Umfeld für längere Texte und Hintergründe.

Wir alle wissen, wie schnell der letzte Facebook-Post in der Timeline weggewischt und damit „alt“ ist. Um auch hier ein aktuelles Buzzword zu bemühen: Die „Stickyness“, also die Halbwertszeit von Print-Content, gilt als höher als die von digitalen Posts. Schließlich zeigt unsere Erfahrung, dass insbesondere im europäischen Raum Print-Magazine als Ausdruck der Wertschätzung wahrgenommen werden. Bei der Einführung einer Mitarbeiter-App sollte das alteingesessene Mitarbeitermagazin unbedingt als Push-Medium für den neuen mobilen Kanal genutzt werden. Bestenfalls ergänzen sich Print und Digitale nämlich zu einem auch inhaltlich vernetzten Crossmedia-Angebot.

Unternehmen sollten aufmerksam die Lesegewohnheiten ihrer Mitarbeiter analysieren und ihr Medienportfolio sukzessive anpassen. Sobald die Verbreitung digitaler Devices und die Akzeptanz für digitalen Content in der Belegschaft hinreichend ausgeprägt ist, kann über einen Verzicht auf Print nachgedacht werden. Das frei gewordene Budget kann dann in spannende Themen, attraktive Apps und Multimediainhalte fließen.
 

 

Multichannel, also gedruckte und digitale Formate parallel zu produzieren, ist das nicht auch ein Kostenproblem?

PM Klar ist: Mehr Kanäle verursachen immer mehr Aufwand. Aber durch den gezielten Einsatz von Software, insbesondere von Redaktions­systemen als digitale Newsroom-Plattformen, können Inhalte einmal erfasst und sehr einfach in mehrere Kanäle ausgespielt werden. Das reduziert den Aufwand gegenüber der klassischen Produktion oft um mehr als 50 Prozent. Hinzu kommt: Die Anforderungen an digitale Mitarbeiter-Apps und Online-Magazine sind oft ähnlich.

Wir haben innerhalb der letzten zwei Jahre einen umfangreichen App-Baukasten entwickelt, der bereits viele Standardfunktionen, Schnittstellen und Dialogformate enthält, um relativ schnell und kostengünstig individuelle Apps zu erstellen.